Kriseninterventionsteam

Kriseninterventionsteam Hamburg (KIT)

Das Kriseninterventionsteam Hamburg (KIT) betreut Menschen unmittelbar nach seelisch stark belastenden Erlebnissen. Beispielsweise Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall, Opfer einer Gewalttat oder Augenzeugen eines schockierenden Ereignisses. In unserem Film geben wir Einblicke in die Arbeit des KIT-Teams.

In tragischen Notsituationen wie diesen, leistet das KIT Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Ehrenamtlich und unentgeltlich, rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres und in ganz Hamburg.

Welche Ziele verfolgt das KIT?

Das KIT bietet psychisch belasteten oder traumatisierten Menschen hilfreiche Nähe und unterstützt sie in den ersten Stunden bei der Realisierung und Verarbeitung des dramatischen Erlebnisses. Die Betroffenen werden stabilisiert und in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt. Soziale Netze werden aktiviert und weiterführende Hilfsangebote vermittelt. Die frühzeitige Unterstützung durch das KIT vermindert das Risiko von langfristigen seelischen Schäden, wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Wer alarmiert das KIT?

Das KIT wird direkt durch die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten oder das Institut für Rechtsmedizin alarmiert.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams sind nach einer Alarmierung durch die Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr, der Rettungsdienste oder das Institut für Rechtsmedizin schnellstmöglich vor Ort – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.

Einsatzzahlen

JahrEinsätzebetreute Menschen
2008224 Einsätze503
2009219 Einsätze778
2010208 Einsätze581
2011220 Einsätze688
2012253 Einsätze1346
2013308 Einsätze1630
2014304 Einsätze1043
2015301 Einsätze1077

Einsätze für das Kriseninterventionsteam

Einsatzindikationen des KIT sind:

  • Unfälle mit Toten oder Schwerstverletzten
  • Erfolglose Wiederbelebungen
  • Begleitung der Polizei bei Todesbenachrichtigungen
  • Tötungsdelikte
  • Selbsttötungen
  • Plötzlicher Kindstod
  • Geiselnahmen, Raubüberfälle
  • Großschadenslagen und Katastrophen

Grundregeln für einen KIT-Einsatz

  • Das Kriseninterventionsteam Hamburg (KIT) ist im Großraum der Freien und Hansestadt Hamburg tätig.
  • Der Einsatz des KIT sollte möglichst im Vorfeld mit den zu betreuenden Personen abgesprochen werden.
  • Die anfordernden Einsatzkräfte bleiben bis zum Eintreffen der KIT-Mitarbeiter an der Einsatzstelle, um diese in die aktuelle Lage einzuweisen.
  • KIT-Einsätze dienen der einmaligen Betreuung in der Akutsituation.
  • Das KIT führt keine Folgeeinsätze oder Langzeitbetreuungen durch.

Was gehört nicht zu den Aufgaben des KIT?

  • Betreuung von psychisch Kranken oder Suchtkranken
  • Angedrohte Suizide oder Suizidversuche
  • Betreuung im häuslichen Bereich bei akuter Gewalt
  • Betreuung von Menschen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss
  • Betreuung in Krankenhäusern

Ehrenamtliche Mitarbeit beim KIT

Alle KIT-Mitarbeiter sind für die unterschiedlichsten Einsatzszenarien professionell ausgebildet. Ihre Praxiserfahrung, ihr Einfühlungsvermögen und ihr Organisationstalent stellen sie in den Dienst von Menschen, die vielleicht die schwersten Stunden ihres Lebens durchleiden.

Wenn Sie sich im Kriseninterventionsteam ehrenamtlich engagieren möchten, überprüfen Sie bitte zunächst, ob Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Mindestalter 25 Jahre
  • Wohnort Hamburg oder unmittelbar angrenzend
  • Pkw-Führerschein, Smartphone und Internetzugang
  • Stabile Lebenssituation und Persönlichkeit
  • Zeitliche Flexibilität für mindestens zwei 24-stündige Bereitschaftsdienste monatlich, auch werktags!
  • Bereitschaft zur Teilnahme an monatlichen Teamtreffen sowie regelmäßigen Supervisionen und Fortbildungen.

Informationen zur Qualifizierung

Die Qualifizierungsmaßnahme für das Ehrenamt im KIT umfasst sieben Wochenenden (Sa. u. So.) à 16 Stunden, insgesamt rund 112 Ausbildungsstunden. Die nächste Qualifizierung für die ehrenamtliche Tätigkeit im KIT startet voraussichtlich 2017.

Inhalte der Qualifizierung:

  • Selbstverständnis und Grundhaltung in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV)
  • Grundlagen der Kommunikation / Führung, Kooperation und Teamarbeit
  • Elemente der psychosozialen Betreuung von Opfern, Angehörigen und Augenzeugen
  • Grundlagen der Psychotraumatologie und Vorgehen bei psychiatrischen Notfällen
  • Umgang mit unterschiedlichen Reaktionen von Betroffenen in akuten Krisensituationen
  • Persönliche Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer
  • Interkulturelle Psychologie
  • Organisationsstrukturen, Großschadenslagen und Katastrophenschutz
  • Rettungswesen und weiterführende Hilfeleistungssysteme in Hamburg
  • Grundausbildung Erste Hilfe
  • Selbstschutz und Psychohygiene

Voraussetzung zur Mitarbeit im KIT ist die erfolgreiche Teilnahme an allen sieben Wochenenden. Die Qualifizierung entspricht den bundesweit gültigen Standards des Deutschen Roten Kreuzes für die Grundausbildung in Psychosozialer Notfallversorgung (PSNV).

Ihre Bewerbung für das KIT

Wenn Sie die Grundvoraussetzungen erfüllen, schicken Sie uns bitte den ausgefüllten Bewerbungsbogen postalisch zu oder nutzen Sie unser Online-Formular.

Anhand der eingehenden Bewerbungen treffen wir eine Vorauswahl und laden zu einem persönlichen Kennenlernen ein.

Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir aus unterschiedlichen Gründen nicht jede Bewerberin oder jeden Bewerber in das Kriseninterventionsteam aufnehmen können.

An die Qualifizierung schließt sich eine Anwärterphase an, während derer die neuen KIT-Mitglieder gemeinsam mit erfahrenen Kräften Einsatzpraxis erwerben.

Die Qualifizierung ist für die Teilnehmer kostenlos. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden.

Weitere Informationen zur Qualifizierung und zum Bewerbungsverfahren erfragen Sie gerne in unserer Geschäftsstelle beim Kreisverband Hamburg-Harburg e.V. des Deutschen Roten Kreuzes unter Tel. 040 - 76 60 92-69.


Unser Hamburger KIT-Team

Das Kriseninterventionsteam (KIT) betreut Menschen in ihren vielleicht schwersten Stunden. Dafür sind alle Mitglieder des KIT intensiv ausgebildet worden und nehmen regelmäßig an praxisnahen Fortbildungen teil. Viele KIT-Mitglieder haben zudem einen entsprechenden beruflichen Hintergrund, z.B. als Rettungsassistent/in, Polizist/in, Psychologe/in oder Sozialpädagoge/in. Das ist aber keine Voraussetzung für eine Mitarbeit im KIT. Gerade die multiprofessionelle Zusammensetzung des Teams gewährleistet eine sinnvolle Vernetzung unterschiedlicher Kompetenzen bei verschiedensten Einsatzszenarien.

Alle KIT-Mitglieder arbeiten ehrenamtlich

Finanziert wird das KIT ausschließlich durch Spenden. Jeder Einsatz des KIT ist deshalb für die betroffenen Menschen kostenfrei.

Jedes KIT-Mitglied erklärt sich bereit, an mindestens zwei Tagen im Monat 24 Stunden Bereitschaftsdienst zu leisten, um bei Bedarf stark belasteten oder traumatisierten Menschen zu helfen. Das KIT-Team trifft sich einmal im Monat, um Einsätze zu besprechen und die Betreuung zu optimieren. Regelmäßige Einsatznachbesprechungen und Supervisionsgespräche dienen der psychologischen Unterstützung der KIT-Mitglieder im Umgang mit belastenden Einsätzen.

Das KIT Hamburg hat 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Geleitet wird das KIT von einer fünfköpfigen Leitungsgruppe, deren Mitglieder vom Team gewählt werden. Unterstützt wird die KIT-Leitung durch den hauptamtlichen Referenten des Kriseninterventionsteams und die Geschäftsstellenmitarbeiterin.

KIT-Teamleiter
Malte Stüben
Dipl. Sozialpädagoge

Fachliche Leitung
Dr. Angélique Mundt
Dipl. Psychologin

Referent
Olav Meyer-Sievers

Leitung Finanzen
Dennis Otte

 

Geschäftsstelle
Carolin Frommann

 

stellv. Teamleiter
Oliver Ahrens

stellv. Fachliche Leitung
Michaela Pischke


Das Kriseninterventionsteam in den Medien

Einblicke in die Arbeit des KIT

Die Einsätze des Kriseninterventionsteams werden regelmäßig in der Tagespresse erwähnt – oft in Form kurzer Meldungen am Ende eines Artikels. Beispielsweise:

  • „Um die Angehörigen des Unfallopfers kümmerte sich das Kriseninterventionsteam.“
  • „Zahlreiche Augenzeugen des Unglücks standen unter Schock und mussten vom Kriseninterventionsteam betreut werden.“
  • „Das Opfer wurde aus den Händen des Geiselnehmers befreit und in die Obhut des Kriseninterventionsteams übergeben."

TV-Hinweis

spiegeltv: Beistand für Hinterbliebene: Die Arbeit des Kriseninterventionsteams

TV-Sendung vom 03.04.2015 auf youtube

WDR Menschen hautnah - Erste Hilfe für die Seele

TV-Sendung vom 09.01.2014 auf youtube

 

Das KIT in der Presse

Bild der Frau
14. Oktober 2016

Hamburger Abendblatt
27. April 2016

Funk Uhr
Heft 26 – 2013


Projekte und Kooperationen des KIT

Das Kriseninterventionsteam Hamburg (KIT) ist Teil eines kooperativen Netzwerks zur Unterstützung von Menschen in Not. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten ist partnerschaftlich. Im Bereich des Katastrophenschutzes ist das KIT fester Bestandteil der Alarmpläne der Freien und Hansestadt Hamburg. Das KIT pflegt intensive Kontakte zu vielen Hamburger Organisationen und Initiativen, die nach den Akuteinsätzen zielgerichtet weiterführende Betreuungsleistungen anbieten.

Kooperationen und Partnerschaften

  • Mit dem Institut für Rechtsmedizin (IfR) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat das KIT eine langjährige Kooperationsvereinbarung. Diese dient dazu, dass sich Angehörige im Institut wenn möglich zeitnah von ihren Verstorbenen in einem eigens dafür eingerichteten Raum verabschieden können.
  • Mit der Psychotherapeutenkammer Hamburg besteht die Absprache, dass das KIT auf einen von der Kammer verwalteten Pool von Traumatherapeuten zurückgreifen kann, um Betroffenen meist innerhalb weniger Tage einen Behandlungsplatz bei einem speziell weitergebildeten Traumatherapeuten zur Verfügung zu stellen.
  • Im Hamburger Traumanetzwerk sind folgende Institutionen zusammengeschlossen, die durch enge Zusammenarbeit und weitreichende Vernetzung, schnellen und unbürokratischen Austausch und Know-How, effiziente Hilfe für Betroffene anbieten: 
    • Kriseninterventionsteam KIT des DRK-Hamburg
    • Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
    • Die Opferschutzorganisation WEISSER RING
    • Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration BASFI: Versorgungsamt Hamburg (Opferentschädigung)
    • Traumaambulanzen für Erwachsene (UKE, Asklepios Klinik Nord) bzw. Kinder UKE)
    • Polizei: Landeskriminalamt LKA – Opferschutz
    • Polizei: Landeskriminalamt LKA – Kriminalpsychologische Einsatz- und Ermittlungsunterstützung
    • Behörde für Inneres und Sport: Sozialtherapeutischer Dienst der Polizei und Feuerwehr
  • In den Fällen, in denen Kinder vom Tod eines nahen Angehörigen betroffen sind, kooperieren wir eng mit dem Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer, welches im Anschluss an unsere akute Betreuung die weitere Unterstützung trauernder Kinder und ggf. auch aufsuchende Arbeit in den Familien übernehmen kann.

  • Gemeinsam mit dem Hamburger Schulkrisenteam der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Notfallseelsorge entwickelt das KIT Konzepte für größere Kriseneinsätze an Schulen.
  • Überregional engagierte sich das Kriseninterventionsteam Hamburg in der Konsensuskonferenz des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Ergebnis waren einheitliche Qualitätsstandards im gesamten Bundesgebiet. Die Qualifizierung des KIT Hamburg für die ehrenamtliche Mitarbeit im Kriseninterventionsteam gilt bereits seit Jahren bundesweit als vorbildlich.

Schulungen und Informationsveranstaltungen

Das KIT führt regelmäßig Informations- und Schulungsveranstaltungen durch, um über die Arbeit des Kriseninterventionsteams zu informieren und erste Hilfsangebote im Umgang mit traumatisierten Menschen vorzustellen.

Einsätzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und anderen Organisationen erhalten konkrete Hinweise zur Einschätzung, wann eine Alarmierung des Kriseninterventionsteams sinnvoll und notwendig ist.

Bei Interesse an Informations- oder Schulungsveranstaltungen für Einsatzkräfte nehmen Sie gern Kontakt zum KIT auf.

Betreuung von Einsatzkräften

Speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams betreuen Einsätzkräfte der Hilfsorganisationen nach besonders belastenden Einsätzen (SbE/CISM).

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