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Besuch bei der DRK-Tagespflege Billstedt

„Wir vermissen unsere Gäste und unsere Gäste vermissen uns“

Der Fahrdienst bringt derzeit nur Gäste, deren häusliche Situation nicht sichergestellt ist. „Also diejenigen, die nicht für sich sorgen können. Oder deren Angehörige in systemrelevanten Berufen tätig sind“, so Marzena Schröder. Den Bedarf hat sie in vielen Telefonaten abgeklärt. „Es kommen nur die, von denen ich weiß, dass es wirklich nötig ist. Wir haben zum Beispiel eine schwerkranke Dame, die konnte sich nichts kochen und hat zu Hause in kürzester Zeit vier Kilo abgenommen. Die ist jetzt wieder bei uns“, beschreibt sie.
Manche Gäste sind vor Corona sechs Tage pro Woche hier gewesen, bis zu acht Stunden am Tag. Essen, Schnacken, Ausruhen, Freizeitangebote: Ein bunter Wochenplan hängt im „Gruppenraum“. Doch „Notbetreuung“ heißt: kein Musikkreis, kein Frisör, keine Ausflüge, keine Spaziergänge. Dafür wird jetzt improvisiert: „Wenn der Frisör nicht reindarf, dann gucken wir uns eben gemeinsam in den Zeitschriften die Fotos von tollen Frisuren an“, so Marzena Schröder. „Das Wichtigste ist, dass wir zusammen sind. Für viele Gäste ist das hier ihr zweites Zuhause.“
So sieht es in den Räumen auch aus. Wie es ältere Leute lieben: gehäkelte Spitzendeckchen auf dunklen Kommoden, Enten aus Porzellan, Kuschelkissen mit Sternzeichen in den Ruhesesseln. Dazu Porträts, dekoriert als Äpfel an einem Baum aus Gips mit echten Zweigen. „Stylishe Möbel gibt es bei uns nicht“, lächelt Marzena Schröder.
Die Hygienevorgaben haben die Arbeit des DRK-Teams verändert, morgens finden zuerst Fieberkontrollen mit Mundschutz sowie Symptombeobachtungen statt. „Da sind wir ganz streng“, so die gelernte Pflegefachkraft. Inzwischen wird das Essen nicht mehr geliefert. „Wir kochen selbst. Auch das ist wie in einer Familie“, schildert Marzena Schröder.
Sicherheitsabstände, Händedesinfektion, Niesetikette haben alle zusammen mit den Tagesgästen eingeübt und wiederholen diese Schutzmaßnahmen täglich. „Anfangs waren einige Tagesgäste zurückhaltend, andere verängstigt. Auch Demenzkranke spüren ja, dass gerade draußen etwas nicht in Ordnung ist“, beschreibt die Leiterin. Und gibt ehrlich zu: „Wir vermissen unsere Gäste. Die Gäste vermissen uns. Ich freue mich über jeden, der heute hier ist.“
Kontakt hält sie übers Telefon, schreibt Briefe, schickt Karten. Und bekommt Post zurück. „Corona zeigt ja auch, dass wir uns trotz der schwierigen Situation miteinander wohlfühlen“, findet sie. Für ihre zehn Mitarbeiter gilt das ebenso: „Mein Team ist seit vier Jahren unverändert, das ist in der Pflege nicht immer so. Wir sind hier beständig und wir haben Spaß! Und das wird auch nach Corona so sein.“
 
Foto: „Wir vermissen unsere Gäste“: Marzena Schröder (M.) mit Monika Dwenger (l.) und Tanja Kaninck von der DRK-Tagespflege Billstedt

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