Geschichte

Die Rotkreuzbewegung

1859: Als der 31-jährige Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant durch Norditalien reist, wird er Zeuge einer Schlacht zwischen französischen und österreichischen Truppen: 40.000 Verwundete und Tote an nur einem einzigen Tag. In der Nähe des Dorfes Solferino sterben tausende Soldaten an ihren grausamen Verletzungen, ohne dass ihnen jemand hilft. Dunant improvisiert vor Ort einen Hilfsdienst für die Verwundeten. Zurück in der Schweiz schreibt er seine Eindrücke in dem Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ nieder.

1862: Dunant veröffentlicht dieses Buch auf eigene Kosten und will damit zeigen, wie solche Katastrophen in Zukunft verhindert werden können. Er möchte freiwillige Sanitäter ausbilden, die im Krieg als neutral gelten und Verwundete versorgen.

1863: Mit Hilfe von vier einflussreichen Genfer Bürgern gründet Dunant das "Internationale Komitee für Verwundetenpflege“, aus dem später das „Internationale Komitee vom Roten Kreuz“ hervorgeht.

1864: Zwölf Staaten unterzeichnen einen Entwurf des Komitees und verpflichten sich dazu, Rotkreuzhelfer vor Angriffen zu schützen, damit sie Verwundete aller Kriegsparteien versorgen können. Als Schutz und Erkennungszeichen legt man das rote Kreuz auf weißem Grund fest, eine Umkehrung der Schweizer Flagge. Zwölf Jahre später wird der rote Halbmond als weiteres Zeichen für die islamischen Länder eingeführt.

1901: Henry Dunant erhält für sein Engagement den ersten Friedensnobelpreis.

Der Kreisverband in Harburg

1869: Nach den Erfahrungen des deutsch-dänischen und preußisch-österreichischen Krieges bildet sich am 23. April der „Harburger Kreis-Verein zur Pflege der im Felde verwundeten und erkrankten Krieger“ als Vorläufer des Harburger Roten Kreuzes. Zu den Initiatoren gehören Ärzte des örtlichen Krankenhauses, Beamte, Kaufleute und Offiziere.

1889: Harburger Bürgerinnen gründen den Vaterländischen Frauenverein. Sie lassen sich in Erster Hilfe ausbilden, unterstützen Hilfsbedürftige und engagieren sich in der Säuglingsfürsorge.

Ab 1907: Mit Gründung der „Freiwilligen Sanitätskolonne Harburg/Elbe“ engagieren sich auch Männer beim Harburger Roten Kreuz.

Ab 1939: Während des Zweiten Weltkriegs ist das Rote Kreuz extrem gefordert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verliert es seine Unabhängigkeit. Es gilt als „nationale Hilfsorganisation“ und wirkt beim Sanitätsdienst der Wehrmacht und des Luftschutzes mit.

Nach 1945: Das Rote Kreuz tritt in Harburg vor allem durch den Suchdienst und die Betreuung tausender Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer in Erscheinung. Als Anlaufstelle dient nach Kriegsende die provisorische Geschäftsstelle auf dem Juteplatz.

1956: Unterstützt durch Spenden wird in der Maretstraße 73 ein neues Gebäude errichtet, das noch heute als Geschäftsstelle dient.

1962: In der Maretstraße ist während der Sturmflut die Zentrale für den Harburger Rotkreuz-Einsatz untergebracht

Heute

Das Rote Kreuz in Harburg nimmt vielfältige soziale Aufgaben wahr, darunter Service-Wohnen für Senioren, Ambulante Pflege, ein Hospiz, Kinderbetreuung, Wohnen für geflüchtete Menschen und Integrationsarbeit. Als einziger Hamburger Rotkreuzverband bietet das DRK Harburg Rettungsdienst an. Der Kreisverband hat inzwischen mehr als 60 Einrichtungen, in denen von 1.000 hauptamtlichen Mitarbeitern (m/w/d) und 400 ehrenamtlichen Helfern (m/w/d) humanitäre Arbeit geleistet wird.

Seit August 2016 trägt der Teil der Maretstraße, in dem der Kreisverband seine Geschäftsstelle hat, den Namen Rote-Kreuz-Straße. Die Umbenennung erfolgt als "Zeichen der Anerkennung für die erbrachten Leistungen", wie der damalige Harburger Bezirksamtsleiter Thomas Völsch zur Umbenennung erklärte.

Im Frühjahr 2018 hat das Harburger Rote Kreuz mit dem Gertrud-Barbe-Haus einen modernen Neubau als zentrale Anlaufstelle in Harburg bezogen. In dem vierstöckigen Gebäude in der Rote-Kreuz-Straße 3-5 sind verschiedene DRK-Einrichtungen sowie große Teile der Verwaltung untergebracht.

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