Es ist ein warmer Tag Ende Juni in der DRK-Tagespflege Süderelbe an der Hausbrucher Straße 121a. Rentnerin Ilse trägt eine Virtual-Reality-Brille auf der Nase, welche einer Skibrille ähnelt. Mit den Händen greift die 82-Jährige wiederholt ins Leere ihres Umfelds. „Ich muss mit dem Löffel die Suppe im Topf umrühren“ erzählt sie. Der aktiven Rentnerin, die jahrelang ihre demente Mutter gepflegt und eine Angehörigengruppe gegründet hat, wird durch die VR-Brille eine nur für sie sichtbare, computergenerierte Welt gezeigt: In diesem digitalen Szenario befindet sie sich in einer virtuellen Küche, in der ein kochender Suppentopf auf dem Herd steht. Als sie nach einem ebenfalls simulierten Kochlöffel greift, um die Suppe umzurühren, zuckt sie verdutzt zusammen und berichtet irritiert: „Oha. Jetzt habe ich plötzlich keinen Löffel mehr in der Hand, sondern eine Haarbürste. Damit möchte ich die Suppe lieber nicht umrühren.“
Der Einsatz der VR-Brillen in der DRK-Tagesstätte Süderelbe ist ein Testlauf. Die Brillen simulieren dem Träger typische Alltagssituationen dementer Personen. Sie sollen so das Verständnis der Angehörigen für die kognitiven und emotionalen Einschränkungen fördern, mit denen Demenzerkrankte in ihrem Alltag plötzlich konfrontiert sein können. Auch Tagespflegeleiterin Katrin Bleisch und einige Mitarbeiter aus ihrem zwölfköpfigen Team haben die Brillen getestet. Bleisch erklärt: „Die Brillen können Angehörige möglicherweise dabei unterstützen, sich mit der neuen Situation und ihren Herausforderungen auseinanderzusetzen.“ Rentnerin Ilse als Betroffene meint: „Man sollte sich darüber klar sein, dass man was verliert. Und man muss lernen, auf die Dinge zu schauen, die noch da sind.“
Bei einigen Gästen der Tagespflege ist die Demenz mit leichten Symptomen kaum merkbar, andere befinden sich in fortgeschrittenen Stadien. Bleisch und ihr Team verfügen über langjährige Erfahrungen mit erkrankten Personen. „Wir wissen, dass der Alltag mit dementen Familienangehörigen sehr herausfordernd sein kann. Die pflegenden Angehörigen machen oft einen hervorragenden Job. Mit unserem Betreuungsangebot schaffen wir wichtige Entlastung und wertvolle Atempausen – damit Angehörige wieder Kraft schöpfen können.“


